Während die Remix-Videos von den am Projekt beteiligten Schüler*innen noch darauf warten, im Rahmen des Informatik-Unterrichts ins Netz gestellt zu werden, wollten wir die Videos, die die Besucher*innen unserer Station bei der Langen Nacht der Forschung in Klagenfurt gestaltet haben, zeitnah zu dieser Veranstaltung veröffentlichen. Bereits beim ersten Upload auf unseren YouTube-Kanal zeigte sich jedoch ein grundlegendes Problem, mit dem wir rechnen mussten, allerdings nicht darauf vorbereitet waren, dass wir so abrupt damit konfrontiert sein würden.
Die Verwendung von urheberrechtlich geschütztem Material ist bekannterweise ein juristisches Minenfeld und aus einem Gespräch mit einem* Experten* für Medienrecht wissen wir, dass es im Bereich der Bildung und Forschung noch Argumentationsmöglichkeiten gibt, die eine derartige Verwendung rechtfertigen könnten, aber abseits davon muss damit gerechnet werden, dass bei Urheberrechtsverletzungen mit der Sperre von Veröffentlichtem bis zu Geltendmachung von Entschädigungszahlungen von Seiten der Rechtsinhaber*innen zu rechnen ist. Das gilt auch für Remix-Videos, wie der gut dokumentierte Fall von Jonathan McIntosh zeigt.
Zurück zu unserem Fall: Bereits Sekunden nachdem der erste Remix von der Langen Nacht der Forschung in unseren YouTube-Kanal als nicht gelistetes Video geladen war (das heißt, das Video kann außer über seinen Link nicht gefunden werden, was die Öffentlichkeit des Videos bereits einschränkt), erhielten wir die Information, dass das Video urheberrechtlich geschütztes Material beinhalte - konkret hat die eingesetzte Software ein Element aus "The Simpsons" identifiziert. Zudem wurden wir darüber aufgeklärt, dass das Video weltweit gesperrt sei und, was uns letztlich zur Aufgabe unseres YouTube-Kanals zwang, dass wir bei drei derartigen Vorfällen von YouTube gesperrt werden und nie wieder einen Kanal erstellen dürften.
Weitere Recherche ergab, dass wir wohl Einspruch gegen die Sperre eines Videos erheben könnten - etwa wenn es sich um einen Remix im Sinne von Fair Use handle (interessanterweise scheint hier ein Video von Jonathan McIntosh auf, der, wie zuvor schon angemerkt, selbst um die legitime Veröffentlichung seiner Arbeit kämpft), diesbezüglich müssten wir uns aber ganz sicher sein (was ist schon sicher?) und wir müssten uns auf einen längerdauernden Prozess einlassen - Ausgang unbekannt. Da wir uns wesentlich öfter als drei Mal auf ein derartiges Prozedere einlassen müssten bzw. unser Kanal gesperrt wäre noch bevor wir alle Videos hochgeladen hätten, haben wir uns dazu entschieden, den Kanal wieder zu löschen und bei einer anderen Plattform auf eine weniger rigorose Verfolgung potentieller Urheberrechtsverletzungen zu hoffen. Wir haben uns nun für Vimeo entschlossen und hoffen, nachdem die ersten zehn Remix-Videos schon online sind und wir noch keine Verwarnungen erhalten haben, dass wir dort zumindest für eine Weile unbehelligt sein können und vor allem dann die wirklich gelungenen Videos unserer Schüler*innen zeigen können.
Remix als pädagogisches Instrument zur Medienemanzipation. Dokumentation eines Schulprojekts, einer Lehrveranstaltung und themenbezogene Reflexionen.
Monday, April 14, 2014
transFAIRmation in Istanbul und bei Lange Nacht der Forschung 2014 in Klagenfurt
Am 4. April 2014 erfuhr das Projekt transFAIRmation gleich zwei Premieren: Erstens wurde es erstmals vor internationalem Publikum, nämlich bei der EDUCON in Istanbul, von Thomas Berger präsentiert und zweitens wurde es im Rahmen der Langen Nacht der Forschung zum ersten Mal in seiner Gesamtheit einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Gemeinsam mit Projektleiterin Birgit Hofstätter und Klassenlehrer Gregor Münch zeigten die beiden Schüler*innen Celina Koch und Cody Sheets den Besucher*innen des Stands die Grundlagen der Remix-Idee. Die Station war sehr gut besucht, die beiden Jugendlichen bemühten sich um eine geduldige Anleitung zum eigenen Remix, obwohl sich mehrfach bereits weitere Interessent*innen anstellten, um sich selbst an einem Video zu versuchen.
Das Interesse war auch vonseiten der Eltern sehr groß - am Stand wurden nicht nur Fragen zum Projekt sondern auch allgemein zur 'richtigen' Medienerziehung diskutiert. Ein Fazit bleibt nach wie vor, dass kritische Medienrezeption weiterhin bzw. verstärkt ein dringendes Anliegen von Schulen sein sollte, da Kinder und Jugendliche trotz "Kindersperre" bei Internet und eingeschränktem Zugang zu Medien Inhalte konsumieren, die zum einen nicht altersgemäß sind und andererseits problematische Vorbilder vor allem hinsichtlich Geschlechterrollen und Sexualität (bzw. Sexualität in Verbindung mit Gewalt) vermitteln. Nachdem dies nicht zu verhindern scheint, bleibt nur die sprichwörtliche "Flucht nach vorne" und die (nicht nur) schulische Förderung von Bewusstsein für die Wirkmächtigkeit von medialen Bildern auf die Art und Weise, wie wir die Welt wahrnehmen und ihr begegnen.
Das Interesse war auch vonseiten der Eltern sehr groß - am Stand wurden nicht nur Fragen zum Projekt sondern auch allgemein zur 'richtigen' Medienerziehung diskutiert. Ein Fazit bleibt nach wie vor, dass kritische Medienrezeption weiterhin bzw. verstärkt ein dringendes Anliegen von Schulen sein sollte, da Kinder und Jugendliche trotz "Kindersperre" bei Internet und eingeschränktem Zugang zu Medien Inhalte konsumieren, die zum einen nicht altersgemäß sind und andererseits problematische Vorbilder vor allem hinsichtlich Geschlechterrollen und Sexualität (bzw. Sexualität in Verbindung mit Gewalt) vermitteln. Nachdem dies nicht zu verhindern scheint, bleibt nur die sprichwörtliche "Flucht nach vorne" und die (nicht nur) schulische Förderung von Bewusstsein für die Wirkmächtigkeit von medialen Bildern auf die Art und Weise, wie wir die Welt wahrnehmen und ihr begegnen.
Friday, February 28, 2014
Video-Remix im Klassenzimmer
In den Tagen um die Semesterferien wurde das Herzstück des didaktischen Konzepts von transFAIRmation umgesetzt: die Gestaltung eigener Video-Remixes. Der Plan war, nach der Analyse ausgewählter Folgen aus den beiden TV-Serien "Two and a half men" ("Mein cooler Onkel Charlie") und "The Simpsons", Szenen oder Elemente der Handlung durch Video-Remix neu oder anders zu erzählen und somit auch eine kritische Stellungnahme zur Darstellung von (Un-)Fairness zu erzeugen.
Auf Basis einer Erhebung am Schulanfang wurde davon ausgegangen, dass die Anwendungskenntnisse in Bezug auf Videogestaltung bei einem Großteil der Schüler*innen relativ gering sind. Daher musste ein niederschwelliger Zugang zum ausgewählten Computerprogramm Windows Movie Maker hergestellt werden. Ein Lösungsansatz wurde darin gesucht, das Material vorab bereits so zu fragmentieren, dass die Schüler*innen zunächst nur Elemente zusammenfügen mussten. Dabei wurden insgesamt sechs Folgen in kleine Filmclips geschnitten (einzelne Szenen, die nicht verwertbar oder zentral erschienen, wurden nicht berücksichtigt) und dazu jeweils eine Transkription verfasst. Das Resultat sind hunderte sekundenlange Clips und auf Papier gedruckte Fragmente des Drehbuchs, wobei jede Farbe jeweils eine Folge darstellt.
Die "Papierschnipsel" sollten dazu dienen, sich erst einmal Überblick über das vorhandene Material zu verschaffen. Die erste Aufgabe ist, daraus ein neues Drehbuch zu basteln, also die Papierschnipsel neu aneinander zu ordnen und damit eine Geschichte zu erzählen. Je mehr Farben im Drehbuch vorkommen, umso mehr Verbindungen wurden zwischen den einzelnen Folgen hergestellt (es ist also auch möglich, die Simpsons und "Onkel Charlie" zu vermischen).
Der nächste Schritt ist das "Storyboard": In einer comic-artigen Zeichnung werden zusammengehörige Schnipsel als Szene definiert, sodass die Geschichte erst visualisiert wird, bevor die tatsächliche Arbeit am Videomaterial passiert.
Splitter für den Kopfhörer-Ausgang ermöglichten, dass jeweils zwei Schüler*innen an einem Gerät arbeiten und sich gegenseitig beim Zusammenstellen der Videos helfen konnten, da sie über ihre Kophörer immer mithören konnten. Entlang der von den Jugendlichen selbst zusammen gestellten Drehbücher und mit den Verweisen zu den entsprechenden Videoclips auf den einzelnen Papierschnipseln wurden die Videoclips vom Schulserver in das Videoschnittprogramm Windows Movie Maker geladen. Die Entscheidung für diese Software fiel nach den Kriterien der Zugänglichkeit (das Programm ist kostenlos für Geräte mit Windows Betriebssystemen) und der Anwendungsfreundlichkeit (im Vergleich zu z. B. dem kostenpflichtigen Magix Video Deluxe ist die Nutzungsoberfläche des Movie Makers relativ übersichtlich und schlicht gestaltet). Zudem konnte festgestellt werden, dass die Anwendungslogik des Programms Microsoft-Office-Programmen sehr ähnlich ist und hier auf gewisse Vorkenntnisse bei Jugendlichen aufgebaut werden kann.
Nachdem die Jugendlichen das Grundprinzip verstanden haben, sollten sie, so der Plan, sich mit den erweiternden Funktionen des Programms auseinander setzen. So war beispielsweise der nächste Schritte, das Video mit einem Titel und einem Abspann zu versehen, Übergänge zwischen den Videoelementen zu gestalten, eventuell mit visuellen und/oder Audio-Effekten zu experimentieren oder gar selbst aus einem größeren Video Sequenzen herauszuschneiden.
Dieser Umsetzungsabschnitt barg mehrere Herausforderungen, die einerseits auf die hohe Anzahl der beteiligten Schüler*innen und andererseits auf das experimentelle und sehr offen gestaltete Setting zurück zu führen sind. Der oben beschriebene Ablauf bot nur eine grobe Struktur, die allerdings den Einsatz vieler engagierter Kräfte erfordert hätte. Bei einer Anzahl von über 50 Schüler*innen und teilweise hohem Betreuungsbedarf einzelner (es handelte sich bei zwei Klassen um Integrationsklassen) stießen wir in dieser Phase eindeutig an die Grenzen des Machbaren, was auch in den vorangegangenen Phasen der Fall war, sich aber hier am stärksten manifestierte.
Erstens erwies sich die Fülle an Papierschnipsel/Videoclips als Überforderung für die Schüler*innen. Nach einer ersten Annäherungsphase an das Material, in der zahlreiche Videos mit relativ abstrakten Erzählungsverläufen entstanden, versuchten wir durch eine thema-bezogene Vorauswahl von Videos/Drehbuchelementen die Schüler*innen dazu zu ermutigen, sich mit einem konkreten Problem - zum Beispiel der sexistischen Darstellung von Frauen in "Two and a half men" oder zur Fülle von Gewalt-Szenen in "The Simpsons" - zu beschäftigen und dazu einen Remix zu gestalten. Mit der Fokussierung erhofften wir uns auch besser erkennbare Zusammenhänge zwischen den einzelnen Videoclips. Zudem wurde die Anzahl der Jugendlichen reduziert und nur noch mit jenen gearbeitet, die in der Vorlaufzeit größeres Interesse und Engagement für diese Aktivität gezeigt hatten. Letzteres wollten wir zunächst unbedingt vermeiden und das didaktische Konzept so integrativ wie möglich umsetzen, doch die begrenzte Projektzeit, die uns in der Klasse blieb, ließ uns in dieser Hinsicht keine andere Wahl, als die Feinheiten des Konzepts nocheinmal mit einer kleineren Gruppe herauszuarbeiten. Und so konnten wir die Betreuung bzw. Anleitung intensivieren und einzelne Schüler*innen noch auf fortgeschrittenere Ebenen der Videobearbeitung voranbringen.

Bei zwei Jugendlichen führte dies zu einer Einladung, das Projekt gemeinsam mit einem Lehrer und der Projektleitung bei der Langen Nacht der Forschung 2014 an der Alpen-Adria Universität Klagenfurt | Wien Graz am 4. April in Klagenfurt zu präsentieren und interessierten Besucher*innen das Konzept und Video-Remix selbst praktisch näher zu bringen. Somit konnte hier auch noch ein Aspekt der peer-to-peer education ausprobiert werden.
Auf Basis einer Erhebung am Schulanfang wurde davon ausgegangen, dass die Anwendungskenntnisse in Bezug auf Videogestaltung bei einem Großteil der Schüler*innen relativ gering sind. Daher musste ein niederschwelliger Zugang zum ausgewählten Computerprogramm Windows Movie Maker hergestellt werden. Ein Lösungsansatz wurde darin gesucht, das Material vorab bereits so zu fragmentieren, dass die Schüler*innen zunächst nur Elemente zusammenfügen mussten. Dabei wurden insgesamt sechs Folgen in kleine Filmclips geschnitten (einzelne Szenen, die nicht verwertbar oder zentral erschienen, wurden nicht berücksichtigt) und dazu jeweils eine Transkription verfasst. Das Resultat sind hunderte sekundenlange Clips und auf Papier gedruckte Fragmente des Drehbuchs, wobei jede Farbe jeweils eine Folge darstellt.
Die "Papierschnipsel" sollten dazu dienen, sich erst einmal Überblick über das vorhandene Material zu verschaffen. Die erste Aufgabe ist, daraus ein neues Drehbuch zu basteln, also die Papierschnipsel neu aneinander zu ordnen und damit eine Geschichte zu erzählen. Je mehr Farben im Drehbuch vorkommen, umso mehr Verbindungen wurden zwischen den einzelnen Folgen hergestellt (es ist also auch möglich, die Simpsons und "Onkel Charlie" zu vermischen).
Der nächste Schritt ist das "Storyboard": In einer comic-artigen Zeichnung werden zusammengehörige Schnipsel als Szene definiert, sodass die Geschichte erst visualisiert wird, bevor die tatsächliche Arbeit am Videomaterial passiert.
Splitter für den Kopfhörer-Ausgang ermöglichten, dass jeweils zwei Schüler*innen an einem Gerät arbeiten und sich gegenseitig beim Zusammenstellen der Videos helfen konnten, da sie über ihre Kophörer immer mithören konnten. Entlang der von den Jugendlichen selbst zusammen gestellten Drehbücher und mit den Verweisen zu den entsprechenden Videoclips auf den einzelnen Papierschnipseln wurden die Videoclips vom Schulserver in das Videoschnittprogramm Windows Movie Maker geladen. Die Entscheidung für diese Software fiel nach den Kriterien der Zugänglichkeit (das Programm ist kostenlos für Geräte mit Windows Betriebssystemen) und der Anwendungsfreundlichkeit (im Vergleich zu z. B. dem kostenpflichtigen Magix Video Deluxe ist die Nutzungsoberfläche des Movie Makers relativ übersichtlich und schlicht gestaltet). Zudem konnte festgestellt werden, dass die Anwendungslogik des Programms Microsoft-Office-Programmen sehr ähnlich ist und hier auf gewisse Vorkenntnisse bei Jugendlichen aufgebaut werden kann.
Nachdem die Jugendlichen das Grundprinzip verstanden haben, sollten sie, so der Plan, sich mit den erweiternden Funktionen des Programms auseinander setzen. So war beispielsweise der nächste Schritte, das Video mit einem Titel und einem Abspann zu versehen, Übergänge zwischen den Videoelementen zu gestalten, eventuell mit visuellen und/oder Audio-Effekten zu experimentieren oder gar selbst aus einem größeren Video Sequenzen herauszuschneiden.
Dieser Umsetzungsabschnitt barg mehrere Herausforderungen, die einerseits auf die hohe Anzahl der beteiligten Schüler*innen und andererseits auf das experimentelle und sehr offen gestaltete Setting zurück zu führen sind. Der oben beschriebene Ablauf bot nur eine grobe Struktur, die allerdings den Einsatz vieler engagierter Kräfte erfordert hätte. Bei einer Anzahl von über 50 Schüler*innen und teilweise hohem Betreuungsbedarf einzelner (es handelte sich bei zwei Klassen um Integrationsklassen) stießen wir in dieser Phase eindeutig an die Grenzen des Machbaren, was auch in den vorangegangenen Phasen der Fall war, sich aber hier am stärksten manifestierte.
Erstens erwies sich die Fülle an Papierschnipsel/Videoclips als Überforderung für die Schüler*innen. Nach einer ersten Annäherungsphase an das Material, in der zahlreiche Videos mit relativ abstrakten Erzählungsverläufen entstanden, versuchten wir durch eine thema-bezogene Vorauswahl von Videos/Drehbuchelementen die Schüler*innen dazu zu ermutigen, sich mit einem konkreten Problem - zum Beispiel der sexistischen Darstellung von Frauen in "Two and a half men" oder zur Fülle von Gewalt-Szenen in "The Simpsons" - zu beschäftigen und dazu einen Remix zu gestalten. Mit der Fokussierung erhofften wir uns auch besser erkennbare Zusammenhänge zwischen den einzelnen Videoclips. Zudem wurde die Anzahl der Jugendlichen reduziert und nur noch mit jenen gearbeitet, die in der Vorlaufzeit größeres Interesse und Engagement für diese Aktivität gezeigt hatten. Letzteres wollten wir zunächst unbedingt vermeiden und das didaktische Konzept so integrativ wie möglich umsetzen, doch die begrenzte Projektzeit, die uns in der Klasse blieb, ließ uns in dieser Hinsicht keine andere Wahl, als die Feinheiten des Konzepts nocheinmal mit einer kleineren Gruppe herauszuarbeiten. Und so konnten wir die Betreuung bzw. Anleitung intensivieren und einzelne Schüler*innen noch auf fortgeschrittenere Ebenen der Videobearbeitung voranbringen.
Friday, January 17, 2014
Serienanalyse: Eine Woche lang "The Simpsons" und "Two and a half men" diskutieren
Nach den Weihnachtsferien ging transFAIRmation in die nächste Phase. Nachdem sich alle Beteiligten gemeinsam intensiver mit dem Thema Fairness auseinander gesetzt hatten, folgte nun die kritische und systematische Auseinandersetzung mit den beiden unter den Schüler*innen beliebtesten Serien - "The Simpsons" und "Two and a half men".
Die Schüler*innen ordneten sich je nach persönlicher Vorliebe einer der beiden Serien zu und es entstanden drei Gruppen, von denen sich zwei mit "The Simpsons" auseinander setzten und eine mit "Two and a half men". Für jeden der drei Analyse-Tage waren von jeder Serie jeweils zwei Folgen vorgesehen - also insgesamt wurden in dieser Woche von jeder Serie insgesamt sechs Folgen untersucht. Hier ein Überblick der Folgen in der Reihenfolge, wie sie analysiert wurden:
"The Simpsons", Staffel 12:
Der erste Analyse-Tag diente dazu, mit dem Ablauf der Analyse vertraut zu werden und vor allem den Umgang mit dem Datenerhebungsblatt zu üben. Für jede Folge wurden dieselben Daten festgehalten: die Geschlechter- und Altersverteilung sowie die Repräsentationen unterschiedlicher Hautfarben unter den Charakteren und beobachtete Formen von Ungerechtigkeit/Diskriminierung. Die Folgen wurden jeweils zwei Mal angesehen, wobei sich die Schüler*innen jeweils auf einen dieser vier Aspekte konzentrierte.
In den darauffolgenden Tagen wurden dann wieder jeweils zwei Folgen in zwei Durchgängen und unter Verwendung des Datenblattes angesehen, dazu kam jedoch, dass zu jeder Folge anhand einer ausgewählten Szene oder eines bestimmten Handlungsstrangs ein spezifisches Thema bzw. eine konkrete Form der Ungerechtigkeit oder Diskriminierung im Rahmen einer Übung herausgearbeitet wurde. So wurden beispielsweise bei der Simpsons-Folge "Die Geschichte der zwei Springfields" der Konflikt zwischen gesellschaftlichen 'Klassen' oder bei "Die schlechteste Episode überhaupt" das Zusammentreffen von Sexismus, Altersdiskriminierung und Stigmatisierung von dicken Menschen thematisiert. Bei "Two and a half men" bieten sich sämtliche Folgen zur Diskussion von Sexismus an, bei "Der Truthahn und die Männlichkeit" wurde allerdings besonders eine Szene bearbeitet, in der Judith, Alans Ex-Frau, von Alans Mutter gegenüber Judiths Eltern als Lesbe geoutet wird. Fremd-Outing wurde besonders im peerconnexion-Workshop thematisiert und war insofern als Diskussionsthema naheliegend.
In der Folge "Alte Flamme mit neuem Docht" stand vor allem das Thema Transsexualität bzw. Transphobie im Mittelpunkt, wobei hier auf ähnliche Weise wie schon bei den Simpsons in der Folge "Die schlechteste Episode überhaupt" auch die Skandalisierung von Liebesbeziehungen zwischen älteren Frauen und jüngeren Männern recht gut aufgegriffen werden konnte.
Am letzten Tag der Analysewoche wurden im jeweiligen Klassenverband, wo nun sowohl Schüler*innen mit Analyseschwerpunkt bei "The Simpsons" wie auch Schüler*innen mit Expertise für "Two and a half men" vertreten waren, die Ergebnisse ausgetauscht. So erzählten sich die Schüler*innen gegenseitig kurz, welche Folgen sie sich angeschaut haben und gestalteten zu den Episoden, die sie persönlich am meisten beschäftigt hatten, ein Poster.
Die Schüler*innen ordneten sich je nach persönlicher Vorliebe einer der beiden Serien zu und es entstanden drei Gruppen, von denen sich zwei mit "The Simpsons" auseinander setzten und eine mit "Two and a half men". Für jeden der drei Analyse-Tage waren von jeder Serie jeweils zwei Folgen vorgesehen - also insgesamt wurden in dieser Woche von jeder Serie insgesamt sechs Folgen untersucht. Hier ein Überblick der Folgen in der Reihenfolge, wie sie analysiert wurden:
"The Simpsons", Staffel 12:
- Episode 14 – Die sensationelle Pop-Gruppe
- Episode 16 – Lisa knackt den Rowdy-Code
- Episode 2 – Die Geschichte der zwei Springfields
- Episode 4 – Lisa als Baumliebhaberin
- Episode 9 – Der berüchtigte Kleinhirn-Malstift
- Episode 11 – Die schlechteste Episode überhaupt
- Episode 23 – Wie die Büffel
- Episode 24 – Spüren Sie meinen Finger?
- Episode 10 – Der Truthahn und die Männlichkeit
- Episode 12 – Ich kümmere mich um Prudence
- Episode 14 – Ich kann mir keine Hyänen leisten
- Episode 18 – Alte Flamme mit neuem Docht
Der erste Analyse-Tag diente dazu, mit dem Ablauf der Analyse vertraut zu werden und vor allem den Umgang mit dem Datenerhebungsblatt zu üben. Für jede Folge wurden dieselben Daten festgehalten: die Geschlechter- und Altersverteilung sowie die Repräsentationen unterschiedlicher Hautfarben unter den Charakteren und beobachtete Formen von Ungerechtigkeit/Diskriminierung. Die Folgen wurden jeweils zwei Mal angesehen, wobei sich die Schüler*innen jeweils auf einen dieser vier Aspekte konzentrierte.
In den darauffolgenden Tagen wurden dann wieder jeweils zwei Folgen in zwei Durchgängen und unter Verwendung des Datenblattes angesehen, dazu kam jedoch, dass zu jeder Folge anhand einer ausgewählten Szene oder eines bestimmten Handlungsstrangs ein spezifisches Thema bzw. eine konkrete Form der Ungerechtigkeit oder Diskriminierung im Rahmen einer Übung herausgearbeitet wurde. So wurden beispielsweise bei der Simpsons-Folge "Die Geschichte der zwei Springfields" der Konflikt zwischen gesellschaftlichen 'Klassen' oder bei "Die schlechteste Episode überhaupt" das Zusammentreffen von Sexismus, Altersdiskriminierung und Stigmatisierung von dicken Menschen thematisiert. Bei "Two and a half men" bieten sich sämtliche Folgen zur Diskussion von Sexismus an, bei "Der Truthahn und die Männlichkeit" wurde allerdings besonders eine Szene bearbeitet, in der Judith, Alans Ex-Frau, von Alans Mutter gegenüber Judiths Eltern als Lesbe geoutet wird. Fremd-Outing wurde besonders im peerconnexion-Workshop thematisiert und war insofern als Diskussionsthema naheliegend.
In der Folge "Alte Flamme mit neuem Docht" stand vor allem das Thema Transsexualität bzw. Transphobie im Mittelpunkt, wobei hier auf ähnliche Weise wie schon bei den Simpsons in der Folge "Die schlechteste Episode überhaupt" auch die Skandalisierung von Liebesbeziehungen zwischen älteren Frauen und jüngeren Männern recht gut aufgegriffen werden konnte.
Am letzten Tag der Analysewoche wurden im jeweiligen Klassenverband, wo nun sowohl Schüler*innen mit Analyseschwerpunkt bei "The Simpsons" wie auch Schüler*innen mit Expertise für "Two and a half men" vertreten waren, die Ergebnisse ausgetauscht. So erzählten sich die Schüler*innen gegenseitig kurz, welche Folgen sie sich angeschaut haben und gestalteten zu den Episoden, die sie persönlich am meisten beschäftigt hatten, ein Poster.
Saturday, November 9, 2013
transFAIRmation als Thema in der universitären Lehre
Beim ersten Termin der Lehrveranstaltung "Ausgewählte Methoden der Medienforschung", die Birgit Hofstätter und Daniela Freitag im laufenden Semester am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Alpen-Adria Universität Klagenfurt | Wien Graz abhalten, wurde gestern das Projekt transFAIRmation als Beispiel für Medienforschung am IFZ vorgestellt. Schwerpunkt des Vortrags lag, entsprechend des Lehrveranstaltungsthemas, auf den im Projekt angewandten Methoden. Das betrifft zum einen die Begleitforschung, durch die der Projektfortschritt dokumentiert und reflektiert, Schwächen des Konzepts möglichst unmittelbar korrigiert, und am Ende auch die Projektergebnisse hinsichtlich ihres Wirkungspotentials bewertet werden.
Auf einer anderen Ebene wird zudem eine Form der Fernsehserien-Analyse konzeptioniert, die dann von den Lehrenden gemeinsam mit den Schüler*innen durchgeführt wird. Hier erweist es sich als Vorteil, dass sich die Beteiligten in der ersten Projektphase bereits kennengelernt und bei der Konzeption der Methode die konkreten Unterrichtssettings und Bedürfnisse der Lernenden mitberücksichtigt werden können.
Weitere Lehrveranstaltungen, die im nächsten Semester an der Alpen-Adria Universität Klagenfurt | Wien Graz abgehalten werden (eine am Standort Klagenfurt, eine am Standort Graz) planen ebenfalls die Aufbereitung von transFAIRmation für Studierende:
Für das Lehreangebot am Zentrum für Frauen- und Geschlechterstudien werden Sabine Klinger und Birgit Hofstätter das Projekt im Rahmen von "Feministische Mädchenarbeit und mediale Lebenswelten" unter queer-feministischer Perspektive bewerten und Ansätze daraus für die Mädchenarbeit diskutieren.
Thomas Berger und Birgit Hofstätter werden transFAIRmation gemeinsam mit Studierenden der Universität Graz und der TU Graz unter dem Aspekt "Soziale Gerechtigkeit und Diversität" im Zusammenhang mit dem demokratisierenden Potential von Medientechnologien betrachten.
Auf einer anderen Ebene wird zudem eine Form der Fernsehserien-Analyse konzeptioniert, die dann von den Lehrenden gemeinsam mit den Schüler*innen durchgeführt wird. Hier erweist es sich als Vorteil, dass sich die Beteiligten in der ersten Projektphase bereits kennengelernt und bei der Konzeption der Methode die konkreten Unterrichtssettings und Bedürfnisse der Lernenden mitberücksichtigt werden können.
Weitere Lehrveranstaltungen, die im nächsten Semester an der Alpen-Adria Universität Klagenfurt | Wien Graz abgehalten werden (eine am Standort Klagenfurt, eine am Standort Graz) planen ebenfalls die Aufbereitung von transFAIRmation für Studierende:
Für das Lehreangebot am Zentrum für Frauen- und Geschlechterstudien werden Sabine Klinger und Birgit Hofstätter das Projekt im Rahmen von "Feministische Mädchenarbeit und mediale Lebenswelten" unter queer-feministischer Perspektive bewerten und Ansätze daraus für die Mädchenarbeit diskutieren.
Thomas Berger und Birgit Hofstätter werden transFAIRmation gemeinsam mit Studierenden der Universität Graz und der TU Graz unter dem Aspekt "Soziale Gerechtigkeit und Diversität" im Zusammenhang mit dem demokratisierenden Potential von Medientechnologien betrachten.
Monday, October 28, 2013
peerconnexion-Workshop zu sexueller Orientierung
Unter dem Motto "Lesben, Bisexuelle und Schwule kommen in die Schule" bietet peerconnexion - eine Initiative der HOSI Wien - Schulen die Möglichkeit, sexuelle Orientierung in einem geschützten Rahmen zu thematisieren. Die entsprechend ausgebildeten und ehrenamtlich arbeitenden Peers können für Workshops im Umfang von 1,5 Stunden bis zu einem ganzen Tag angefragt werden.
Für transFAIRmation wurde für jede der drei beteiligten Klassen ein jeweils 90-minütiger Workshop angeboten, der von der Mediatorin Kathleen Schröder und dem Psychologen Christoph Strauß gestaltet wurde. Im Zentrum standen dabei die Fragen der Schüler*innen zum Thema Homo- bzw. Bisexualität: Wie ist es, als Mann Männer und als Frau Frauen zu lieben? Wie funktioniert Sex zwischen gleichgeschlechtlichen Partner*innen? Gibt es bei Bisexualität Präferenzen für ein Geschlecht? Wie funktioniert Familiengründung bei gleichgeschlechtlichen Paaren? Dürfen Homosexuelle heiraten? Wie merke ich, dass ich homosexuell bin? Christoph und Kathleen stellten über die Geschichte ihres eigenen Coming-outs ein vertrauliches Gesprächsklima her, bei dem sich die Jugendlichen ihre Fragen möglichst ungeniert zu stellen trauten. Was ebenfalls zu einem offeren Frageverhalten beitrug, war die Tatsache, dass während des Workshops keine Lehrenden anwesend waren. Lediglich die wissenschaftlichen Projektmitarbeiter*innen baten darum, dabei sein zu dürfen - da die Schüler*innen von diesen jedoch bereits einen offenen Umgang mit Themen rund um Sexualität und Geschlechtsidentität gewohnt waren, schien deren Anwesenheit das Gesprächsklima nicht sonderlich zu beeinflussen. Insgesamt kann dieser zehnte Projekttag angesichts des regen Interesses von Seiten der Jugendlichen und ihrer hohen Fragebereitschaft als ein Highlight des Projektes verbucht werden.
Für transFAIRmation wurde für jede der drei beteiligten Klassen ein jeweils 90-minütiger Workshop angeboten, der von der Mediatorin Kathleen Schröder und dem Psychologen Christoph Strauß gestaltet wurde. Im Zentrum standen dabei die Fragen der Schüler*innen zum Thema Homo- bzw. Bisexualität: Wie ist es, als Mann Männer und als Frau Frauen zu lieben? Wie funktioniert Sex zwischen gleichgeschlechtlichen Partner*innen? Gibt es bei Bisexualität Präferenzen für ein Geschlecht? Wie funktioniert Familiengründung bei gleichgeschlechtlichen Paaren? Dürfen Homosexuelle heiraten? Wie merke ich, dass ich homosexuell bin? Christoph und Kathleen stellten über die Geschichte ihres eigenen Coming-outs ein vertrauliches Gesprächsklima her, bei dem sich die Jugendlichen ihre Fragen möglichst ungeniert zu stellen trauten. Was ebenfalls zu einem offeren Frageverhalten beitrug, war die Tatsache, dass während des Workshops keine Lehrenden anwesend waren. Lediglich die wissenschaftlichen Projektmitarbeiter*innen baten darum, dabei sein zu dürfen - da die Schüler*innen von diesen jedoch bereits einen offenen Umgang mit Themen rund um Sexualität und Geschlechtsidentität gewohnt waren, schien deren Anwesenheit das Gesprächsklima nicht sonderlich zu beeinflussen. Insgesamt kann dieser zehnte Projekttag angesichts des regen Interesses von Seiten der Jugendlichen und ihrer hohen Fragebereitschaft als ein Highlight des Projektes verbucht werden.
Wednesday, October 23, 2013
Vortrag über transFAIRmation bei den KWT 2013
Im Rahmen der Kommunikationswissenschaftlichen Tage - KWT 2013 in Klagenfurt, zu denen die Österreichische Gesellschaft für Kommunikationswissenschaft unter dem Motto "Changing Communications II: Herausforderungen des gesellschaftlichen, medialen und kulturellen Wandels" einlud, wurde am 18. Oktober das Projekt tranfFAIRmation von Birgit Hofstätter vorgestellt. In ihrem Vortrag mit dem Titel "'Brokeback Twilight': Medienpartizipation und queer politics" führte sie am Beispiel von Rezipient*innen-Videos zu der bekannten Filmserie "Die Twilight Saga" aus, wie populäre Massenmedien-Produkte ihrerseits kreative und gesellschaftskritische Medienbeiträge inspirieren können. Das Projekt transFAIRmation versucht eine Überführung dieser Beobachtungen in die Unterrichtspraxis, was bei der Tagung positiv bewertet wurde. Kolleg*innen aus dem Publikum meldeten zurück, den Ansatz aus transFAIRmation als Anregung für die eigene Lehre aufnehmen zu wollen.
Programmheft inklusive Abstracts zu den Vorträgen
Programmheft inklusive Abstracts zu den Vorträgen
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